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Es ist normal, verschieden zu sein

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20. Dez 2021

Es ist normal, verschieden zu sein
Es ist normal, verschieden zu sein

Vor 25 Jahren eröffneten mit "Phantasia" und "Regenbogenland" die ersten inklusiven Kindertagesstätten in Herne ihre Pforten. Gabriele Awiszio und Bettina Raatz, Frauen der ersten Stunde, erinnern an die Anfänge.

Inklusion bedeutet: Es ist normal, verschieden zu sein. Seit 25 Jahren prägt dieser Leitsatz die Arbeit in den inklusiven Kindertageseinrichtungen der Lebenshilfe in Herne und Wanne-Eickel. 1996 öffneten die Kita „Phantasia“ und die Kita „Regenbogenland“ als erste von heute sechs Lebenshilfe-Tagesstätten für Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen ihre Tore.

Die WAZ Herne / Wanne-Eickel hat ausführlich über unser Jubiläum berichtet.

Die beiden Pädagoginnen Gabriele Awiszio und Bettina Raatz gehören zu den Fachkräften der ersten Stunde, die die neuen Kitas aus der Taufe hoben. Heute leiten beide als Geschäftsführerinnen die Trägergesellschaft Lebenshilfe KIDS gGmbH, eine 100prozentige Tochter der Lebenshilfe Herne / Wanne-Eickel, die die Kita-Arbeit führt und steuert.

Stadt schloss Sonderkindergarten
„Bis Mitte der 1990er Jahre wurden Kinder mit Förderbedarf in einem städtischen Sonderkindergarten betreut. Inklusion war schon damals politischer Wille. Deshalb wollte die Stadt Herne diese Einrichtung auflösen und die Kinder in Regelkindergärten betreuen lassen. Durch die damals eingeführte gesetzliche Garantie für Kita-Plätze für Kinder ab drei Jahren brauchte die Kommune unbedingt zusätzliche Angebote“, erinnert sich Bettina Raatz an die Anfänge. Als Träger der inklusiven Kitas bot sich der Verein Lebenshilfe an, der als Anbieter von Frühförderung und heilpädagogischer Fachberatung große Kompetenz in der Begleitung von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen vorzuweisen hatte.

Vom ersten Tag an ausgebucht
Ab 1996 eröffneten die neuen Kitas wie am Schnürchen. „Phantasia“ und „Regenbogenland“ machten den Anfang, es folgten „Wilde Wiese“ und „Löwenzahn“ (beide 1998), danach „Däumling“ (1999) und „Europagarten“ (2020). Jede Einrichtung verfügte über maximal drei Kita-Gruppen, pro Gruppe war Platz für maximal fünf Kinder mit Behinderungen. 17 Mitarbeitende waren pro Einrichtung im Einsatz. Fachkräftemangel gab es damals noch nicht, und die Einrichtungen waren vom ersten Tag an ausgebucht. Mit Einführung der U3-Betreuung wurden alle Kitas von drei auf fünf bzw. sechs Gruppen aufgestockt. Anfangs arbeitete jede Kita als selbständige Einheit, 2009 fasste die Lebenshilfe die Einrichtungen in der heutigen Lebenshilfe KIDS gGmbH (früher TKL) zusammen.

Bei Null angefangen
„Wir sind damals buchstäblich ins kalte Wasser gesprungen und haben buchstäblich bei Null angefangen“, erzählt Lebenshilfe KIDS-Chefin Bettina Raatz aus den Anfangsjahren. Der Verein Lebenshilfe verfügte über keinerlei Erfahrungen als Kita-Betreiber: „Wir hatten einfach Lust auf Inklusion. Die Idee, dass unabhängig von Aussehen, Sprache oder Behinderung jeder Mensch ganz selbstverständlich dazugehört, treibt uns bis heute an.“

Sozial emotional auffällig
Trotzdem hat sich in 25 Jahren Inklusionsarbeit viel verändert. In den Anfangstagen wurden hauptsächlich Kinder mit schweren geistigen, körperlichen oder Mehrfach-Behinderungen aufgenommen. Heute haben viele Kinder neben einer Behinderung starke sozial emotionale Auffälligkeiten, die die Mitarbeiter besonders herausfordern. Hinzu kommen auch Kinder unter drei Jahren mit verstärkten Förderbedarf und hohem pflegerischen Aufwand.

Psychische Belastung
Der moderne Kita-Alltag sei für die Mitarbeitenden psychisch belasteter geworden. Es herrsche ein eklatanter Fachkräftemangel, der durch Corona noch verschärft wurde. Das Vertrauen der Eltern in die Einrichtungen nehme ab. „Früher haben wir viel Zeit am Kind gehabt. Heute nehmen die Vor- und Nachbereitung und die Dokumentation der Entwicklung viel Raum und Zeit in Anspruch. Die Bildungsansprüche an die Kitas werden immer höher“, sagt Bettina Raatz.

Ein roter Faden verbindet alle Kitas
Auf das vergangene Vierteljahrhundert blicken beide Leitungskräfte mit Stolz. „Es ist uns gelungen, die sechs Einrichtungen durch einen roten Faden zu verbinden“, sagt Bettina Raatz. Gefestigt werde er durch eine gemeinsame Grundhaltung, durch Bindungs- und Bildungsarbeit mit den Kindern, durch Qualitätssicherung, multiprofessionelle Teams und regelmäßige Fortbildungen.

Inklusion kommt an ihre Grenzen
Jahr für Jahr gehen die Anmeldezahlen durch die Decke. Auch deshalb kommen die Lebenshilfe-Kitas mit rund 100 Plätzen für Kinder mit Förderbedarf immer stärker an ihre Grenzen. „Unsere Einrichtungen sind randvoll. Mehr geht nicht, wenn wir wollen, dass alle Kinder bestmöglich begleitet werden“, beschreibt Gabriele Awiszio die Situation im Jubiläumsjahr. Wenn es in Zukunft nicht gelinge, mehr Fachkräfte zu gewinnen, die Spaß und Freude an der inklusiven Arbeit mitbringen, „dann können wir einpacken. Es kann nicht sein, dass Inklusion nur auf dem Rücken der Mitarbeitenden ausgetragen wird.“

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